Alten Computer entsorgen und recyclen: Wohin mit dem Elektroschrott?

Das kennt wahrscheinlich jeder: Es ist Zeit für einen neuen, schnelleren, schöneren, besseren (und hoffentlich sparsameren) Computer. Gewünscht, gekauft, geliefert, das gute Stück ist endlich da, aber dann steht die alte Kiste noch im Weg. Wohin nun mit dem alten Computer, sei es ein Desktop-PC oder ein Notebook? Wie entsorge ich meinen alten Computer richtig?

Das wichtigste vorweg: Die alte Hardware gehört nicht in den Hausmüll! Nein, das wäre gar nicht grün. Und außerdem ist es illegal. Keller, Dachboden oder Zimmerecke sind ebenfalls keine geeigneten Entsorgungsstellen, auch wenn das eine scheinbar ein häufig genutzte Methode ist.

Holen wir dazu zunächst ein wenig aus: Die Herstellung eine Computers verschlingt wahrscheinlich mehr Energie, als dieser zu seinen Lebzeiten je verbrauchen wird. Die Schätzungen schwanken zwischen 3000-5000 kWh für die Herstellung. Ein Computer, der im Idle 100 Watt verbraucht (was zu viel ist…) und 24 Stunden am Tag läuft, hätte erst nach knapp dreieinhalb Jahren 3000 kWh verbraucht. Und ein normaler Desktop-PC sollte nicht so viel verbrauchen und auch nicht rund um die Uhr laufen.

Und was hat das jetzt mit dem alten Computer zu tun? Ganz einfach: Ein Computer (wie auch andere Elektrogeräte) sollte so lange wie möglich genutzt werden, damit seine Öko-Bilanz wenigstens ein bisschen besser ausfällt. Was uns schon zum ersten Fehler bei der Anschaffung des neuen Computers führt:

Aufrüsten statt komplett neu kaufen

Das wäre die bessere Alternative gewesen. Manchmal genügt einfach ein schnellerer Prozessor, eine neue Grafikkarte oder eine schnellere Festplatte. Beispielsweise bringt der Wechsel von einer normalen Festplatte (HDD) zu einer Solid-State-Festplatte (SSD) sogar eine – zumindest gefühlt – größere Leistungssteigerung, als ein schnellerer Prozessor. Und sparsamer ist sie auch noch.

Aber auch wenn die alte Hardware wirklich zu alt und langsam ist, muss nicht alles neu gekauft werden: Zum Beispiel das Gehäuse, optische Laufwerke oder das alte Netzteil können häufig weiterverwendet werden. Und selbst wenn der alte PC defekt war bedeutet das nicht, dass wirklich alle Komponenten defekt sind. Rein von der Öko-Bilanz her ist Reparieren immer besser als neu kaufen – nur leider wirkt es meist teurer als ein neuer Komplett-PC vom Discounter. Bei Notebooks sieht es übrigens deutlich schlechter aus: Aufrüsten ist hier nur selten möglich und auch eine Reparatur ist schwieriger und kostet noch mehr.

Bevor neu gekauft wird

  • Aufrüsten statt neu kaufen – muss es wirklich ein komplett neuer PC sein? Vielleicht reicht schon mehr RAM oder der Wechsel von HDD zu SSD und plötzlich fühlt sich der Computer deutlich schneller an.
  • Weiterverwenden alter Teile – weiterverwendet werden können fast immer CD-, DVD- und andere Wechsel-Laufwerke, das Gehäuse und auch das (effiziente) Netzteil. Maus und Tastatur müssen auch nicht immer neu gekauft werden, sind bei Komplett-PCs aber häufig dabei.
  • Reparieren statt neu kaufen – funktioniert der alte PC nicht mehr heißt das nicht, dass alle Komponenten defekt sind. Und beim Reparieren lässt sich der PC vielleicht sogar gleich aufrüsten.

 

Und wenn schon komplett neu gekauft wird, dann bitte genau überlegen, was man wirklich braucht – darauf wollen wir hier aber nicht genauer eingehen, denn das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Und schließlich geht es hier ja eigentlich um die Entsorgung des alten Computers und darum gehen wir jetzt davon aus, dass der neue schon da ist. Also, passiert ist passiert,  kommen wir zurück zu der Frage: Wohin mit dem Alten?

Alte (funktionierende) Hardware verkaufen oder spenden

Funktioniert der alte Computer noch, dann ist die erste und naheliegendste Möglichkeit: Verkaufen. Auch wenn nur einzelne Komponenten ausgetauscht wurden, lassen sich die alten eigentlich immer irgendwo loswerden. Ebay, die Ebay-Kleinanzeigen oder Quoka sind gute Anlaufstellen hierfür. Ein guter Verkaufspreis setzt allerdings ein wenig Aufwand voraus: Fotos und eine ausführliche Artikelbeschreibung sind ein Muss.

Wer ein altes Notebook, Netbook, einen Tablet-Computer oder ein Apple-Computer loswerden will hat es etwas einfacher. Solche Geräte werden auch von diversen Hardware-Ankäufern aufgekauft, zum Beispiel reBuy.de, wirkaufens.de, flip4new.de oder momox.de. Der Aufwand für den Verkauf ist hier geringer, aber das ist auch der erzielte Preis. Und alte Desktop-PCs oder Hardware-Komponenten kaufen diese Händler nicht auf.

Als Alternative zum Verkauf bietet sich die Spende an. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Verein Computer Spende Hambug, der inzwischen auch Ortsgruppen in Würzburg, Hagen und Bergheim bei Köln hat. Der Verein nimmt einzelne und sogar defekte PCs als Spende an. Diese werden aufbereitet und dann an Bedürftige abgegeben.

Sie können sich auch in Ihrer Nähe umsehen. Oftmals finden sich regional kleine Vereine, Sozialläden oder soziale Werkstätten und auch Schulen, die gebrauchte Computer annehmen. Häufig ist es jedoch so, dass aus Kostengründen nur größere Mengen an PCs angenommen werden, womit sich diese Option eher für Firmen und Behörden eignet.

Computer spenden oder verkaufen

Je länger ein Gerät verwendet wird, desto besser seine Öko-Bilanz. Deshalb: Alte, noch funktionstüchtige Hardware verschenken, verkaufen oder spenden, statt in einer Ecke verstauben lassen.

Wichtig: Bevor Sie einen alten Computer verschenken, verkaufen oder spenden sollten Sie auf jeden Fall die darauf gespeicherten Daten sicher Löschen.

 

Das Stichwort Recycling bringt uns dann auch zur letzten Möglichkeit, sich von der alten Hardware zu trennen: Die fachgerechte Entsorgung.

Recycling defekter Hardware

Wenn ein Computer (wirklich und komplett) defekt ist bedeutet das noch lange nicht, dass er auch wertlos ist. Elektrogeräte stecken voller wertvoller Rohstoffe, unter anderem sogar Gold (das Lieblingsbeispiel für wertvolle Rohstoffe in Hardware, denn Gold kennt jeder und jeder weiß auch, dass es wertvoll ist). Die Kollegen von tom’s hardware haben sich vor einiger Zeit einmal die Mühe gemacht das Gold aus einem Mainboard zu “extrahieren” – aufwändig, nicht zur Nachahmung zu empfehlen und mit dem Ergebnis eines einen Millimeter großen Goldkügelchens Gold.

Und tatsächlich sind alte Hardware-Komponenten so wertvoll, dass Schrotthändler sie zu Kilopreisen von bis zu 87 Euro ankaufen. So viel zahlt der Entsorgungsfachbetrieb e-fectiv derzeit für ein Kilo CPUs. Aber da zeigt sich schon das Problem für den Privatnutzer: Um auf ein Kilo zu kommen braucht man ziemlich viele alte, defekte CPUs und geringe Mengen werden wegen des hohen Aufwands nicht angekauft. Das ist also eher eine Lösung für Händler.

Elektroschrott kann also bares Geld wert sein, aber der viel wichtigere Grund für das fachgerechte Recycling ist: Der Abbau der im Elektroschrott enthaltenen Rohstoffe ist deutlich belastender für die Umwelt, als die Rückgewinnung durch das Recycling der alten Hardware.

Wie immer gibt es mehrere Wege, die alte Hardware fachgerecht zu entsorgen. Der einfachste Weg ist die Abgabe beim örtlichen Recyclinghof. Das kostet im Allgemeinen nichts außer Zeit. Oft nimmt auch der Händler, bei dem man einen neuen Computer kauft, die alte Hardware kostenlos entgegen und kümmert sich um die Fachgerechte Entsorgung. Auch manche Hersteller nehmen alte Geräte direkt vom Endkunden zurück. Beispielsweise können Apple-Kunden ihre alten MacBooks, iPads oder iPhones direkt an Apple zurückgeben – und Apple zahlt Ihnen sogar noch Geld dafür, vorausgesetzt das Gerät ist noch funktionsfähig und in annehmbarem Zustand. Solche Aktionen sind allerdings eher selten und nicht immer von langer Dauer.

Elektroschrott fachgerecht entsorgen

  • Elektroschrott darf nicht im Hausmüll entsorgt werden!
  • Manche Hersteller bieten Trade-In-Programme, bei denen alte Geräte gegen Gutscheine oder Rabatte “eingetauscht” werden können. Allerdings gilt dies oft nur für noch funktionstüchtige Hardware. Fragen Sie am besten dirket beim Hersteller nach.
  • Händler nehmen alte, defekte Hardware beim Kauf neuer Geräte kostenlos zurück. Prinzipiell ist der Verkäufer verpflichtet, die von ihm verkaufte Hardware zurückzunehmen, allerdings gibt es hier viele Ausnahmeregelungen, darauf verlassen kann man sich also nicht.
  • Bei lokalen Recyclinghöfen können alte Elektrogeräte kostenlos abgegeben werden. Wo sich diese befinden, erfahren Sie von ihrer lokalen Stadtreinigung/Abfallwirtschaftsbetrieb. Mit der Recyclingsuche-App für iPhone und Android-Smartphones finden Sie schnell den nächsten Recyclinghof in ihrer Nähe.
  • Wenn Sie ihren alten Computer entsorgen, stellen Sie sicher, dass die darauf gespeicherten Daten sicher gelöscht wurden (weitere Inforamtionen siehe oben). Kommt der Rechner eh auf den Müll, dann bietet es sich an, die alte Festplatte einfach zu zerstören (Ordentlich mit dem Hammer zuschlagen. Es ist nicht so einfach, wie man annehmen mag. Aber trotzdem fachgerecht entsorgen!). Gleiches gilt für andere Speichermedien.

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