Interview mit Mark Newton, Verantwortlicher für Umweltpolitik bei Dell
Autor: Bjoern

Mark Newton
Mark Newton ist Senior Manager für Environmental Sustainability bei Dell, also der Verantwortliche für Umweltpolitik. Dell ist einer der größten PC-Hersteller weltweit. Um So interessanter, was Dell in Sachen Green IT und Umweltschutz unternimmt. Die selbst gesteckten Ziele von Dell sind zumindest hoch.
GCP: Sie sind der “Verantwortliche für Umweltpolitik” bei Dell, was genau haben wir uns darunter vorzustellen? Was sind Ihre Aufgaben in dieser Position und seit wann gibt es diesen Posten bei Dell?
Mark Newton: In unserem Unternehmen gibt es mehrere Verantwortliche für die weltweite Umsetzung unserer grünen Strategie. Das Thema „grün“ hat für uns höchste Priorität, angefangen bei unserem CEO Michael Dell, der eine aktive Rolle bei der Festlegung der Strategie einnimmt. Um ein grünes Unternehmen zu werden, ist es erforderlich, dass jeder Bereich in diesen Prozess eingebunden ist: von der Entwicklung bis zur Fertigung.
Im Hinblick auf meine eigene Zuständigkeit ist zu sagen, dass ich bei Dell im Jahr 2003 als Manager Worldwide Environmental Affairs begonnen habe und hier verantwortlich war für die Umsetzung der weltweiten Umweltanforderungen in der Produktstrategie und -entwicklung. Heute bin ich für die Weiterentwicklung der weltweiten Umweltstrategie zuständig sowie für die Einbindung von Stakeholdern und die Kommunikation konkreter Umweltmaßnahmen – zum Beispiel im Hinblick auf Materialverwendung, Energieeffizienz, Produkt-Recycling oder Klimastrategie.
GCP: Dell hat sich zum Ziel gesetzt, das “grünste” IT-Unternehmen zu werden. Das klingt zunächst sehr löblich, aber was genau ist darunter zu verstehen? Wie definieren Sie ein “grünes” IT-Unternehmen und welche Pläne hat Dell dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen?
Mark Newton: Unser primäres Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln und bereitzustellen, mit denen Kunden leichter und kosteneffizienter „grün“ werden können. Wir fokussieren uns dabei auf vier Bereiche:
- Produkte
Wir bieten unseren Anwendern ein breites Portfolio an technologischen Lösungen, die mehr Rechenleistung bei weniger Energieverbrauch gewährleisten.
In diesem Zusammenhang ist auch zu betonen, dass wir Gründungsmitglied von Energy Star sind und der erste Hersteller, der die Erfüllung der ENERGY-STAR-5.0-Vorgaben bekannt gegeben hat. Wir kooperieren mit EPEAT und vermarkten mehr als 130 EPEAT-zertifizierte Produkte. - Verpackung
Im Dezember 2008 haben wir unsere Verpackungsstrategie revolutioniert: bis Ende 2012 ist es unser Ziel, das Verpackungsvolumen um 10 Prozent zu reduzieren und den Anteil des recycelten Materials an der Verpackung um 40 Prozent zu steigern.
Seit 2009 liefern wir Dell-Netbooks in einer Verpackung aus leicht recycelbarem Bambus aus. Dieses Verpackungsmaterial wollen wir in diesem Jahr auch bei anderen Produkten verwenden. - Recycling
Abgesehen von unserem kostenfreien weltweiten Recycling-Programm für Consumer sind wir der erste große Computer-Hersteller, der den Export nicht funktionsfähiger Elektronikgeräte und -teile in Entwicklungsländer konsequent unterbindet. - Operativer Betrieb
Dell hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um die betrieblichen Abläufe so umweltverträglich wie möglich zu gestalten. So haben wir im August 2008 und damit fünf Monate früher als geplant bereits unser Ziel erreicht, CO2-neutral zu sein. Dell deckt seinen weltweiten Strombedarf mittlerweile zu über 25 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen und in den USA bereits zu 35 Prozent. Acht Unternehmensstandorte von Dell in Europa und den USA werden bereits zu 100 Prozent mit regenerativer Energie versorgt.
GCP: Unser Portal richtet sich vorwiegend an Endanwender. Deshalb ist für unsere Leser besonders interessant: Was will Dell auf dem Weg zum “grünsten” IT-Unternehmen ganz allgemein in Sachen “Consumer Green IT” unternehmen?
Mark Newton: Ein Beispiel sind unsere Notebooks und Desktops, die im Vergleich zu 2008 heute 25 Prozent energieeffizienter sind.
Bei unseren Notebooks setzen wir LED-Displays ein, die quecksilberfrei und leicht recycelbar sind. Außerdem verbrauchen sie weniger Energie und bieten längere Akkulaufzeiten. Nicht zuletzt können sie damit auch flacher konstruiert werden und erfordern somit weniger Verpackungsmaterial.
Ein konkretes Produktbeispiel im Bereich Consumer-Green-IT ist unser Alienware M11x, ein Gaming-Notebook, das mehrere energieeffiziente Optionen bietet:
- Intel Ultra-Low-Voltage-Prozessor
- Zwei Grafikoptionen: ein energieeffizienter und ein High-Performance-Gaming-Modus
- Ein Energiesparmodus für die Verlängerung der Akkulaufzeit auf bis zu 8,5 Stunden.
- Die Anwender können die System-LEDs (Keyboard, Lautsprecher etc.) dimmen – sowohl im Netz- als auch Akku-Betrieb –, um den Stromverbrauch zu reduzieren.
GCP: Im neuesten Greenpeace Guide to Greener Electronics musste Dell einige Plätze einbüßen und ist auf den 14. Platz abgefallen. Auf den ersten Blick sieht das nach einem Rückschlag für Ihr Vorhaben aus. Wo sehen Sie die Gründe dafür und wie stehen Sie zu dieser Einschätzung durch Greenpeace?
Mark Newton: Für Dell ist Greenpeace ein wichtiger Stakeholder und Partner. Und wir teilen das Ziel, Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen.
Das bedeutet, dass wir uns verpflichtet haben, Materialien mit maximaler Umweltverträglichkeit in unsere Produkte zu integrieren. Und gemeinsam mit unseren Lieferanten arbeiten wir daran, dieses Ziel zu erreichen.
Greenpeace hat die Ranglistenposition von Dell im jüngsten Guide verändert, weil sie meinen, dass wir unser Ziel, bromierte Flammschutzmittel und PVC in unseren Produkten nicht mehr zu verwenden, nicht erreicht hätten. In der Tat ist es unsere 100-prozentige Absicht, in der Produktherstellung auf bromierte Flammschutzmittel und PVC vollständig zu verzichten. Dieses Ziel wollen wir bis Ende 2011 erreichen. Die Aufgabe birgt Herausforderungen, aber wir arbeiten gemeinsam mit unseren Lieferanten daran, zuverlässige und umweltverträgliche Alternativen zu finden, die die Performance-Anforderungen unserer Anwender erfüllen.
Bereits heute vermarkten wir Produkte ohne beziehungsweise mit einem geringen Anteil an bromierten Flammschutzmitteln und PVC. Unsere LED-Displays der G-Serie sind zum Beispiel vollständig frei von PVC, bromierten Flammschutzmitteln, Arsen und Quecksilber. Das Monitorgehäuse besteht zu über 25 Prozent aus recyceltem Material. Durch das energieeffiziente Design haben die Displays zudem die EPEAT-Gold-Zertifizierung erhalten.
Abgesehen von den Themen bromierte Flammschutzmittel und PVC ist auch darauf hinzuweisen, dass wir uns verpflichtet haben, Arsen-freie Displays in allen Notebooks und vielen Monitoren einzusetzen. Außerdem bieten wir mehrere quecksilberfreie Notebooks mit LED-Backlight an.
GCP: In der Produktpalette von Dell vermissen wir spezielle, “grüne” Angebote für Privatkunden. Lediglich bei den Monitoren sind mit der neuen G-Serie explizit “grüne” Geräte im Angebot. Wo sind die PCs mit besonders energieeffizienten Komponenten, beispielsweise mit Athlon II e-Modellen, GeForce Eco-Grafikkarten, sparsamen Festplatten und effizienten Netzteilen? Gerade im Spiele-Sektor sind Systeme mit Mittelklasse-Grafikkarten weit verbreitet und beliebt, im Dell-Angebot klafft hier jedoch eine Lücke.
Mark Newton: Mit dem oben erwähnten Alienware M11x bieten wir im Bereich Consumer-Green-IT ein ganz aktuelles Gaming-Notebook.
GCP: Im US-Webshop sieht es ähnlich aus, hier gibt es aber zumindest den Dell Studio Hybrid. Warum wird der nach eigenen Angaben “grünste Desktop-PC” von Dell nicht mehr in Deutschland angeboten?
Mark Newton: Der Dell Studio Hybrid war von 2008 bis 2009 auch in Deutschland erhältlich. Die Erfahrungen, die wir mit dem Studio Hybrid gemacht haben, setzen wird konsequent bei der Entwicklung neuer Produkte um – auch hinsichtlich der Verpackungsstrategie.
Der Studio Hybrid basierte im Wesentlichen auf Notebook-Technologie, die einen geringeren Energieverbrauch als bei Desktop-PCs ermöglicht. Aus dem Kundenfeedback ergab sich, dass zwar der kleinere Formfaktor geschätzt, aber auch die Performance eines herkömmlichen Minitower-Desktops erwartet wurde.
Heute bieten wir hier – auch in Deutschland – den Inspiron Zino an, der einerseits unter Design-Gesichtspunkten überzeugt und andererseits die Performance eines traditionellen Desktops besitzt.
GCP: Wir bedanken uns für das interessante Interview.



[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von PR-COM und Eva Kia-Wernard, Sabine Felber erwähnt. Sabine Felber sagte: #Green IT: Mark Newton von #Dell im Interview mit greencomputingportal: http://ow.ly/1Abn1 [...]