Grüne Suchmaschinen – was steckt dahinter?
Autor: Bjoern
Was steckt dahinter? Ein genauerer Blick auf Ecosia
Was also verbirgt sich hinter diesen Suchmaschinen genau? Exemplarisch wollen wir einen genaueren Blick auf Ecosia werfen, denn das Prinzip ist bei allen gleich: Eigentlich ist Ecosia nichts anderes als einen andere Oberfläche für die Suchmaschinen Bing und Yahoo (die inzwischen quasi eine Suchmaschine sind). Beide bieten nämlich die Möglichkeit über kostenlose Schnittstellen (APIs) Suchanfragen zu stellen und die Ergebnisse auf der eigenen Seite anzuzeigen (mehr dazu weiter unten). Es handelt sich also bei Ecosia, Forestle, Ecocho und und all den anderen gar nicht wirklich um “echte” Suchmaschinen.
Suchergebnisse alleine bringen noch keine Einnahmen. Die kommen durch die Integration von Werbung: Wie bei den eigentlichen Suchmaschinen selbst binden die “grünen” Suchmaschinen gesponserte (zur Suchanfrage passende) Links in die Ergebnisse ein, übrigens auch von Yahoo. Für jeden Klick auf einen dieser Links bekommt der Betreiber Geld (und auch der “Anbieter” der Werbung verdient daran), und von dem dadurch verdienten Geld wird dann gespendet. Ein grundsätzlich vernünftiges Prinzip.
Wie CO2-neutral ist Ecosia?
Ecosia wirbt damit, im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen Co2-neutral zu sein und dank des Regenwaldschutzes sogar für eine positive CO2-Bilanz zu sorgen. Aber auch wenn der Hoster, auf dessen Servern die Ecosia-Webseite liegt, allen Strom aus erneuerbaren Energiequellen bezieht, die Suchanfrage läuft noch immer auf den Servern von Yahoo und Bing und nicht auf denen von Ecosia. Die durch die Suche bei Ecosia verursachten CO2-Emissionen dürften also, wenn überhaupt nur ein klein wenig unter denen liegen, die durch die direkte Suche bei den Original-Suchmaschinen entstehen.
Und der Schutz von bestehendem Regenwald bewirkt eigentlich auch keine positive CO2-Bilanz. Der Regenwald ist ja (noch) da und “absorbiert” bereits CO2. Sein Schutz sorgt also nicht dafür, dass mehr CO2 absorbiert wird – trotzdem ist der Schutz von Regenwald selbstverständlich gut und sinnvoll.
Und warum betreibt eine Person eigentlich so viele Suchmaschinen?
Noch etwas ist an Ecosia irgendwie seltsam: Christian Kroll, der Betreiber von Ecosia, ist auch der Betreiber von Forestle und Znout. Znout versteht sich als CO2-neutrale Suchmaschine, und gleicht immerhin den (theoretischen) CO2-Ausstoß seiner Nutzer über CO2stats durch CO2-Zertifikate aus – wie sinnvoll so etwas ist, ist wieder ein ganz anderes Thema. Forestle hingegen schützt ebenfalls Regenwald, kommt allerdings im Schnitt nur auf nur 0,1 Quadratmeter pro Suchanfrage. Forestle und Ecosia liefern übrigens bei gleicher Suchanfrage die selben Ergebnisse – Ecosia zeigt lediglich mehr Werbung an.
Die Betreiber dürften zumindest nicht schlecht an Ecosia verdienen: Laut Statistik (Stand 24.1.2010) hat Ecosia seit Anfang Dezember 16.738.753 Quadratmeter Regenwald geschützt. Dem FAQ kann man entnehmen, dass für den Schutz eines Hektars 5 Euro gespendet werden müssen. Ein Hektar hat 10.000 m², das sind 1.673,8753 geschützte Hektar, entspricht einer Spende von 8369,38 Euro. Wenn das 80% der Einnahmen sind, dann haben die Betreiber bisher 2092 Euro “einstreichen” können. Das muss selbstverständlich nicht der Fall sein, denn nach Angabe im FAQ werden mindestens 80 Prozent der Einnahmen gespendet, also möglicherweise auch mehr.
Soll man Ecosia nun benutzen oder nicht?
Ecosia hinterlässt zumindest bei uns einen etwas seltsamen Beigeschmack. Warum drei Suchmaschinen? Warum wird bei den “Eigenschaften” von Ecosia so übertrieben (Stichwort: CO2-Neutralität, die (deutschen) Angaben über den Datenschutz stimmen zwar, sind aber auch nur die halbe Wahrheit, wie man dem kompletten (englischen) Datenschutzhinweisen entnehmen kann, und wer unbedingt will kann noch einige andere “Ungereimtheiten” finden)?
Andererseits wird ohne großes Zutun des Benutzers Regenwald geschützt, und das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Selbiges dürfte auch für alle anderen “grünen” Suchmaschinen gelten: Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, aber ganz so “grün” wie sich manche davon geben sind sie meist nicht wirklich. Und nicht zuletzt steckt bestimmt auch so manches Mal reine Gewinnabsicht des Betreibers dahinter.
Es gibt keine einfache oder eindeutige Antwort auf die Frage, ob man solche Suchmaschinen verwenden sollte, oder nicht. Aber wenn, dann ist die Auswahl groß und jeder kann sich die “grüne” Suchmaschine aussuchen, die ihm am besten gefällt. Es kostet den Benutzer nichts und so lange tatsächlich ein Teil der Einnahmen gespendet wird (und davon gehen wir aus) hat es auf jeden Fall einen positiven Nebeneffekt. Zumindest wenn ab und zu auch die gesponserten Links angeklickt werden (Was aber nie nur mit dem Ziel Einnahmen zu erzielen gemacht werden sollte. Denn das sehen die Werbeanbieter nicht gerne und streichen im schlimmsten Fall sämtliche Auszahlungen). Im Fall von Ecosia würden wir uns allerdings ein bisschen mehr Ehrlichkeit, Transparenz und weniger Übertreibungen wünschen.
In fünf Minuten zur eigenen “grünen” Suchmaschine
Eine eigene “Suchmaschine” nach dem Vorbild von Ecosia, Forestle und Co zu erstellen ist grundsätzlich ein recht einfache Angelegenheit: Bing und Yahoo bieten beide Schnittstellen, über die jeder kostenlos Suchanfragen stellen und die Ergebnisse auf seiner eigenen Seite anzeigen kann. Mit ein wenig HTML- und PHP-Kenntnissen hat man so innerhalb von ein paar Minuten seine erste, eigene Suchmaschine erstellt. Der Feinschliff für Optik und anderes dürfte dann ein wenig länger Dauern. Hier ein paar Links zu weiteren Infos und Anleitungen:
- Yahoo! Search BOSS (Build your Own Search Service) API Guide
- BOSS Tutorial
- Bing Developer Center
- Search Microsoft Bing with XML and JSON APIs
- Bing API PHP Library
Um daraus dann eine “grüne” Suchmaschine zu machen muss noch Werbung hinzugefügt werden. Hier bietet sich wieder Yahoo an, so kommen Suchergebnisse und Werbung aus einer Hand (Bing bietet zwar auch ein Werbe-Programm, nur ist dieses bisher noch auf die USA beschränkt). Die Einnahmen müssen dann nur noch gespendet werden und fertig ist die “grüne” Suchmaschine.




Danke für diese kritische und richtige Analyse! Man sollte vielleicht noch ergänzen, daß eure Kritik mindestens auch für Forestle gilt. Ich habe mir die Suchmaschine vor wenigen Wochen unter den gleichen Kriterien angeschaut und exakt dieselben Kritikpunkte gefunden, die ihr für Ecosia benannt habt. Auch eurer Schlußfolgerung schließe ich mich an: Es schadet nichts, “grüne” Suchmaschinen zu nutzen, aber sie sollten transparenter und ehrlicher arbeiten.
Mit Forestle hast Du Recht, hat ja auch den selben “Betreiber” wie Ecosia. Nur legt Ecosia noch einen drauf, was die (meiner Meinung nach) Übertreibungen angeht – das Video auf Ecosia über Ecosia ist ein schönes Beispiel dafür.
Hallo Bjoern,
hier schreibt Jana, Pressesprecherin von Ecosia.
Danke für die kritische Analyse der grünen Suchmaschinen Ecosia, Forestle und Znout. Die Vielfalt des Angebots ist verwirrend, das gebe ich zu. Richtig wäre es die verschiedenen Suchmaschinen als Entwicklungsstufen zu sehen. Mit Ecosia haben wir nach 2jähriger Übungsphase endlich das geschaffen, was sich unserer Meinung nach als grüne Alternative im Suchmaschinenmarkt durchsetzen kann. Ausschlagebend nach Forestle noch die grüne Suchmaschine Ecosia zu gründen ist, dass wir mit dem existierenden Verträgen keinen Zugriff auf Yahoos Werbeanzeigen einiger Länder, beispielsweise der USA, hatten. So einfach ist es also doch nicht sich seine eigene grüne Suchmaschine zu basteln – zumindest nicht, wenn man sie weltweit anbieten möchte ;)
Ecosia ist noch jung und wir haben in den letzten Wochen viel dazugelernt. Dabei sind kritische Anregung sehr wichtig und willkommen. Wir beabsichtigen in Zukunft noch mehr Transparenz zu bieten!
Beste Grüße, Jana Kroll
Vielen dank für die offene Stellungnahme. Ich hoffe, es geht aus dem Artikel hervor, dass wir Ecosia und Co nicht grundsätzlich schlecht finden und der Schutz von Regenwald ist definitiv ein gutes Vorhaben. Und dass es nur fünf Minuten braucht, eine eigene grüne Suchmaschine zu bauen, ist ganz klar eine Übertreibung unsererseits ;)
Ich bin gespannt was aus Ecosia wird und würde mich freuen Ecosia irgendwann uneingeschränkt empfehlen zu können. Mehr Transparenz ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Till Westermayer, Alexander Schestag und MedienStiftung FMS, FMS Foundation erwähnt. FMS Foundation sagte: Grüne Suchmaschinen – was steckt dahinter? | Green Computing Portal: McGraw-Hill Conference Center in New York, NY; 2.0 http://url4.eu/1DvXW [...]
Ich denke die meiste Energie wird in den Servern der Suchmaschinen selbst verwendet. Ich möchte diese Energie kompensieren und dazu zuerst wissen, wieviel das überhaupt ist. Google sgat, die kolportierten 1 Stunde Licht pro Suchanfrage seien stark übertrieben, Bing und Yahoo geben meines Wissens gar keine Angaben. Ich möchte auch aus anderen Gründen nicht Bing verwenden, deshalb lieber Znout, auch ein Kroll-Produkt, aber mit Google statt Bing. Aber auch hier würde mich interessieren, wie die Energie geschätzt wird, und wie sie genau kompensiert wird. Ausserdem sollte jede Suche kompensiert werden, nicht nur diejenigen mit Werbeklicks, von mir aus mit einem Extra-Werbebanner nur für diesen Zweck.
[...] Da die Suche auch noch die Bing/Yahoo-Technologie nutzt, kann man also getrost statt immer nur Google zu nutzen auch einfach mal ein solches Angebot nutzen. Wer mit Ecosia selbst nichts anfangen kann oder will, es gibt andere Angebote, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Siehe dazu auch hier -> http://www.greencomputingportal.de/index.php/artikel/gruene-suchmaschinen-was-steckt-dahinter/ [...]
[...] gefragt, wie glaubhaft Ecosia wirklich ist. Hierzu habe ich einen wirklich lesenswerten Artikel auf greencomputingportal.de entdeckt. Der Autor des Artikels kommt zu dem Schluss, dass Ecosia ein wenig übertreibt, aber [...]
Es gibt auch grüne Suchmaschinen mit komplett eigener “Search Engine” z.B. http://treehoo.com
Eine weitere Seite die ich gerne weiterempfehlen möchte ist http://www.dofair.org. Zwar kommen bisher die Ergebnisse hier auch von den ausgewählten Anbietern, doch arbeitet das Team laut deren Aussage gerade an einem eigenen Suchwerkzeug.
Ich nutze bisher fast immer Ecosia und finde es eine super Sache (Herzlichen Dank an die Geschwister Kroll!). Dass nicht alles von Anfang an perfekt sein kann, vorallem wenn man kein großer Konzern sondern ein kleiner Haufen von Idealisten ist versteht sich meiner Meinung nach von selbst. Wichtig finde ich nur dass man nicht stehenbleibt (und Leute nicht blockiert die etwas aus Idealismus klein starten und noch nicht alles perfekt ist) sondern sich Schritt für Schritt in eine gute Richtung vortastet. Wer weiß, vielleicht bietet ja auch Ecosia irgendwann mal eine eigene Suchfunktion an?!
[...] Ökostromanbieter zu finden. Doch es muss nicht immer Google sein. Grüne Suchmaschinen wie Ecosia, Greenseng oder Hornvogel liefern genauso gute Ergebnisse, spenden jedoch einen signifikanten [...]
[...] also letztendlich doch die Frage Greenwashing oder Rettertätigkeit? (mehr nachzulesen unter: 1; 2) Und in diesem Sinne: Ein Kasten Krombacher, ein Quadratmeter Regenwald! Dieser Eintrag wurde [...]
[...] Methoden oder gar des Betrugs dieser grünen Suchmaschine auf diversen Blogs (auch hier, hier, und hier) und selbst im Utopia-Forum heftig diskutiert wurden. Auch die aktuelle Diskussion, ausgelöst [...]
Was denkt Ihr hierzu?
http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/s/d/14.04.2010-16.05/b/service-computer-gruene-suchmaschinen-schonen-die-umwelt.html
“Wer eine grüne Suchmaschine nutzt, nutzt also immer zwei Suchmaschinen gleichzeitig: Die grüne Suchmaschine, über welche die Suchabfrage läuft, und die klassische Suchmaschine, welche die Suche ausführt. Die Suche an sich ist also alles andere als klimaneutral – im Gegenteil: Sie ist erstmal sogar klimaschädlicher als die Suche, die nur über eine herkömmliche Suchmaschine ausgeführt wird.”
“Wer grüne Suchmaschinen nutzt, aber nie auf Werbung klickt, schadet dem Klima mehr, als wenn er eine herkömmliche Suchmaschine nutzt. Denn bei diesem Suchvorgang wird zweimal Rechenleistung in Anspruch genommen – die von zwei Suchmaschinen. Weil der Suchende nicht auf die Werbung klickt, bringt er der grünen Suchmaschine kein Geld ein, das für den Klimaschutz benötigt würde.”
Wenn das stimmt, sollte ich nie Znout oder so benutzen. Ich klicke nie auf Werbe-Anzeigen.
Von diesen CO2-Tickets habe ich auch eher Schlimmes gehört. Das Geld scheint dort eher zu schaden.
Freue mich über mehr Infos.
Lieben Gruß
Christian
Hallo zusammen! Es ist wirklich toll, diese Unterhaltung zu verfolgen. Die Artikel ist sehr ausführlich und interessant, vielen Dank für diese unverblümte, ehrliche Anschauung und Hinterfragung. Es ist auch sehr gut zu lesen, dass auch eine Stellungnahme seitens der Betreiber kam – das war ein feiner Schachzug hin zu mehr Transparenz. Weiter so.
Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium
Hallo und Dank für die Infos auch von meiner Seite.
Ich möchte der Thematik noch einen wichtigen Aspekt hinzufügen:
Der WWF steht nicht erst seit Huismann`s TV-Dokus unter
der m.M. nach berechtigten Kritik, mit der Industrie zu stark
verbandelt zu sein – und damit fällt für mich jegliche Unterstützung
des WWF unter den Begriff Greenwashing !!!
Herrzliche Grüße aus dem Süden :-)
Thomas.
[...] Utopia - CO2-neutrale und ökologische Suchanfragen im Internet Klima sucht Schutz - Was bringen grüne Suchmaschinen? Green Computing Portal – Grüne Suchmaschinen – was steckt dahinter!? [...]
Danke Thomas, du sprichst mir aus der Seele. Genau dieser Punkt war es, der mir die ganze Zeit während ich diese Diskussion gelesen habe durch den Kopf ging:
Liebe Betreiber, denkt bitte darüber nach, wem ihr spenden wollt. Der WWF ist leider wegen krummer Dinge in Verruf geraten, prüft bitte deren Aufrichtigkeit!
Es gibt auch kleine Projekte von kleinen Leuten, die den Regenwald nicht auf Kosten anderer retten wollen. (http://projekt-chanchamayo.jimdo.com/)
Liebe Grüße
Doro
http://wegreen.de ist eine Suchmaschine bei der die Treffer aufgrund ihrer Nachhaltigkeit sortiert werden. Egal ob Produkte, Jobs, Orte oder Marken. Die grünen sind immer oben.