Das Leben meines Computers

Autor: Bjoern

Woher kommt Ihr Computer? Die Antwort auf diese Frage geht häufig irgendwo in Richtung “Internet”, “Mediamarkt”, “eBay” oder ALDI”. Für die Meisten kommt ihr Computer ganz einfach “aus dem Laden”. Dass das eigentlich auf der gleichen Stufe ist, wie die Aussage “Atomkraft? Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose!” ist den wenigsten bewusst. Und ist die Kiste dann irgendwann zu alt oder kaputt, kommt sie einfach auf den Müll. Aus den Augen, aus dem Sinn. Dabei ist die Zeit auf dem heimischen Schreibtisch nur eine von vielen Stationen im Leben eines Computers.


Das Leben meines Computers from pling* on Vimeo.

Weltweit werden derzeit pro Sekunde sieben Computer produziert, aber nur vier Menschen geboren. Der Film “Das Leben meines Computers” thematisiert die globalen Auswirkungen, die von trivialen Handlungen – wie dem Kauf eines Computers – ausgehen. Konkret wird auf die wesentlichen Stationen des Kreislaufs eingegangen, die ein Computer von Rohstoffabbau, über Fertigung und Gebrauch bis zur Endablagerung durchläuft.

Der Dokumentarfilm “Das Leben meines Computers” entsteht im Rahmen einer Abschlussarbeit im Master-Studiengang MultiMediaArt an der FH-Salzburg. Er begleitet den Weg eines Computer vom Rohstoffabbau im westafrikanischen Ghana über die Fertigung von Leiterplatten in der Tschechischen Republik, die Benutzung in Österreich bis hin zum “Recycling” auf der größten Elektromüllhalde der Welt, in der Korle-Lagoon in der ghanaischen Hauptstadt Accra.

Goldschürfer in Ghana - In jedem PC stecken mehrere Gramm Gold

Triviale Handlungen – wie der Kauf eines Computers – bringen immer ökologische und soziale Auswirkungen auf globaler Ebene mit sich. Mit Hilfe des filmischen Werkzeugs, versuchen wir Abläufe sichtbar zu machen, die uns als Kunden meist verborgen sind. Persönliche Geschichten der betroffenen Menschen sollen diesen Abläufen ein Gesicht geben. Der Computer könnte aber ebenso von einem T-Shirt oder einer Tafel Schokolade ersetzt werden. Die Mechanismen der Warenwirtschaft würden auch bei den Lebensläufen dieser Produkte ihre Geschichten schreiben.“, so Stefan Baumgartner, Regisseur und zusammen mit Sandra Heberling und Simon Fraissler einer der drei Hauptverantwortlichen des Films.

Die aufwendige Vermarktung von Mobiltelefonen und Computern sorgten bei meinem Kollegen, Kameramann Simon Fraissler, und mir oft für Gesprächsstoff. Auch die knappen Zeitabstände zwischen den Veröffentlichungen neuer Produkte interessierten uns. Nach einer vorläufigen Recherchearbeit zur Produktion dieser Geräte entschlossen wir uns, gemeinsam mit Produktionsleiterin Sandra Heberling das Thema im Rahmen unseres Studiums zu behandeln.

Ein Computer kommt eben nicht einfach bloß aus dem Laden und er verschwindet auch nicht einfach so, wenn er ausgedient hat. Nur ist, wie bei so vielen anderen Dingen auch, wenig Bewusstsein dafür vorhanden. Die Filmemacher wollen dies mit ihrer Dokumentation ändern. Sicherlich werden nicht alle Computer unter schlechten Bedingungen in Afrika “entsorgt”. Und auch Rohstoffabbau und Fertigung können sauber, fair und sozial ablaufen. Aber das ist eben nicht immer so und vielleicht ist es sogar eher die Ausnahme. Den Herstellern ist ein unwissender Käufer lieber, einer dem ein niedriger Preis wichtiger ist, als zu wissen wo der PC herkommt, oder wo er später einmal landet.

Endstation Afrika - Elektromüllhalde in Accra

Auf der Elektromüllhalde im Ghanaischen Accra hätte es zu einigen Problemen kommen können. Da wir vor Ort mit einem Umweltjournalisten zusammenarbeiteten, der in “Agbogbloshie” kein Unbekannter ist, lief aber alles glatt. Riskanter waren die Dreharbeiten zur Rohstoffgewinnung im Regenwald der “Western Region”, da wir uns mit den einheimischen Goldschürfern illegal auf dem Land der großen Goldmienenbetreiber aufhielten. Auch beim großen Computer-Auftragshersteller Foxconn in der Tschechischen Republik waren wir keine gern gesehen Gäste.

Dass Foxconn sich gerade zur Zeit nicht gerne in die Karten schauen lässt ist wenig verwunderlich. Schließlich stand der Hersteller in letzter Zeit mehrmals wegen schlechter Arbeitsbedingungen im Rampenlicht. Bei Foxconn, die unter anderem für Apple fertigen, kam es letztes Jahr zu auffällig vielen Selbstmorden von Mitarbeitern.

Es war sehr schwierig Interviews mit ArbeiterInnen im Bereich der Computerfertigung zu organisieren. Als diese letztendlich anonym abgehalten wurden, hatten die Menschen mit denen wir sprechen durften sehr große Angst. Der Druck, den die Produktionsfirmen auf migrantische Arbeitskräfte ausüben können, ist  enorm.

Der Film wird voraussichtlich seine Premiere im August 2011 in Österreich feiern und danach auf diversen Film-Festivals zu sehen sein. Aber auch das Fernsehen hat bereits Interesse angekündigt. Und wenn “Das Leben meines Computers” hält, was es bisher verspricht, dann wünschen wir uns sehr, dass der Film über das Fernsehen ein breites Publikum erreichen wird. Wir freuen uns auf jeden Fall schon jetzt auf diesen besonderen Dokumentarfilm.

Schließen wollen wir diesen Artikel mit Stefan Baumgartners Antwort auf die Frage, wie die Arbeit am Film seinen Umgang mit Computern verändert hat: “Die Herstellung des Films wäre ohne intensiven Computereinsatz nicht möglich gewesen. Allein aufgrund unserer Berufe sind wir auf Computer angewiesen. Der Kauf eines neuen Computers ist für mich persönlich nach wie vor erst dann legitim, wenn das alte Gerät kaputt ist. Die Verwertung werde ich dann aber bestimmt genauer kontrollieren.

       

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